Montagmorgen: Auf dem Server lassen sich Angebote, Pläne und Rechnungen nicht mehr öffnen. Der Sicherungsauftrag auf dem NAS zeigt zwar „erfolgreich“, doch auch dort wurden Dateien verschlüsselt oder ältere Stände gelöscht.
Das NAS war nicht nutzlos. Es sollte nur gleichzeitig gegen Festplattendefekt, Fehlbedienung, Schadsoftware, Diebstahl und Brand schützen. Diese Aufgaben kann ein einzelnes Gerät nicht allein erfüllen.
Ein NAS ist ein Sicherungsziel, keine Strategie
Ein NAS kann Daten automatisch übernehmen, mehrere Festplatten zusammenfassen und frühere Dateistände speichern. Das hilft im Alltag. Ein RAID schützt aber in erster Linie vor dem Ausfall einzelner Festplatten. Es erzeugt keine unabhängige Sicherung.
Das britische NCSC empfiehlt, externe Sicherungsmedien bei Nichtgebrauch nicht verbunden zu lassen, weil Schadsoftware auch angeschlossene Speicher treffen kann. Zusätzlich nennt es zwei Sicherungen auf unterschiedlichen Wegen als sinnvoll.[1] Für ein NAS bedeutet das: Mindestens eine weitere Kopie darf nicht dauerhaft mit denselben Geräten und Zugriffsrechten über das lokale Netzwerk erreichbar sein.
Warum erreichbare Sicherungen mitbetroffen sein können
Schadsoftware arbeitet oft mit den Rechten des angemeldeten Benutzers. Kann dieses Konto Dateien auf dem NAS verändern oder löschen, kann ein Angriff auch Sicherungsstände treffen. Die CISA warnt außerdem davor, dass Angreifer Zugangsdaten für Backup-Systeme suchen und ungepatchte Backup-Lösungen gezielt angreifen. Sie empfiehlt offline gehaltene, verschlüsselte Sicherungen und regelmäßige Wiederherstellungstests.[2]
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Läuft der Sicherungsauftrag?“ Sondern: „Bleibt nach einem Angriff noch eine Kopie übrig, die der Angreifer nicht verändern konnte?“
Auch das NAS selbst kann angegriffen werden
Ein NAS ist ein eigener Computer mit Weboberfläche, Betriebssystem, Apps und Benutzerkonten. Ist die Verwaltungsoberfläche über eine Portfreigabe aus dem Internet erreichbar, bleibt die Firmware veraltet oder wird ein schwaches Administratorkonto verwendet, kann das Gerät selbst zum Angriffsziel werden.
QNAP bezeichnet Malware und Ransomware aus dem Internet als besonders hohes Risiko für NAS-Systeme. Der Hersteller empfiehlt, das NAS nicht direkt ins Internet zu stellen, Firmware und Apps aktuell zu halten, starke Passwörter zu verwenden, unnötige Konten zu entfernen und keine Standardports ins Internet zu öffnen.[3] Für Administratorkonten sollte außerdem die Zwei-Schritt-Verifizierung aktiviert werden, wenn das eingesetzte System sie unterstützt; QNAP dokumentiert dafür eine Anmeldung mit zeitbasiertem Einmalcode.[4]
Geschützte Snapshots helfen bei einem vorhandenen NAS
Snapshots halten frühere Zustände eines Datenbestands fest. Das ist hilfreich, wenn Dateien versehentlich überschrieben oder durch Schadsoftware verändert wurden. Normale Snapshots reichen aber nicht, wenn dasselbe Administratorkonto auch alle Snapshots löschen kann.
Unterstützt das NAS gesperrte oder unveränderbare Snapshots, können ausgewählte Stände für eine festgelegte Zeit gegen Löschen und Überschreiben geschützt werden. CISA empfiehlt für gefährdete Speicherressourcen Löschschutz beziehungsweise Object Lock und Versionskontrolle, damit mehrere Objektstände erhalten bleiben und sich unbeabsichtigte oder böswillige Änderungen leichter zurücknehmen lassen.[2]
Ein solcher Snapshot ist ein sinnvoller Mittelweg für Betriebe, die bereits ein NAS einsetzen. Er ersetzt dennoch keine getrennte Kopie: Bei Defekt, Diebstahl, Fehlkonfiguration oder Brand können NAS und lokale Snapshots gemeinsam ausfallen.
Ein praktikabler Aufbau für kleine Betriebe
- NAS für die tägliche Sicherung: automatisch, überwacht und mit mehreren Dateiständen.
- Geschützte Snapshots: soweit vom Gerät unterstützt, mit festgelegter Aufbewahrungszeit und ohne Löschrecht für normale Administrationskonten.
- Zweite getrennte Kopie: offline oder an einem anderen Standort, mit eigenen Zugangsdaten und ohne dauerhafte Verbindung zum Produktivnetz.
- Getrennte Konten: Sicherungsdienst, Benutzer und Administration erhalten nur die Rechte, die sie tatsächlich benötigen.
- Wiederherstellungstest: regelmäßig eine Datei, einen Ordner und einen vollständigen Notfallablauf prüfen und dokumentieren.
Was Aufwand und Betreuung bestimmt
Der Einrichtungsaufwand hängt vor allem von Datenmenge, gewünschter Aufbewahrungszeit, Internetanbindung und der Zahl getrennter Sicherungsziele ab. Nach dem Start braucht das Konzept laufende Betreuung, damit Fehlermeldungen geprüft, Firmware aktualisiert, Speicherfristen angepasst und Wiederherstellungen getestet werden.
Fazit
Ein NAS kann ein wichtiger Teil der Datensicherung sein. Zur Backupstrategie wird es erst, wenn mindestens eine getrennte Kopie, geschützte Versionen, begrenzte Zugriffsrechte und getestete Wiederherstellungswege zusammenwirken.